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Erzählung + Bild + Song
von
Eva Schmidt aka Zichy & Volker Zdunnek aka Philos(60)
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Japanische Kirschblüte
Gyurák Eva Schmidt – Redaktion & Song: Volker Zdunnek aka Philos60 |
Song
>>> Tender Love |
Wotan, ein Herr in Alter von 60
Jahren, entdeckte beim Rasieren, dass sein rechtes oberes Augenlied sich zu
einem Dreieck formte. Seine Augenbrauen zogen sich immer mehr in Richtung eines
liegenden Fragezeichens und sind immer buschiger geworden, so ähnlich wie bei
einem Hund, namens Pudel. Trotzdem liebte er sich. Sein Gesicht war schmal, sein
perfekt geschnittener Bart stand sehr gut zu seinem sehnsüchtigen Antlitz, und
was die Figur betrifft: einfach super, mit der schmalen Taille und den langen
Beinen. Er lächelte zufrieden im Spiegel und dachte an die Frau, die er im
Internet kennen lernte und wie sie auf ihn scharf geworden war, verliebt und
sehnsüchtig. Trotzdem lehnte er die Frau ab. Sie war zwar die Verkörperung
seiner Träume, eine schlanke Schönheit mit Röntgenaugen, mit total großen und
grünen Augen, voller Leben und Liebe, trotzdem...
Das Verlangen nach ihr erfasste ihn zutiefst seelisch und körperlich. Er dachte,
dass er jetzt gerade ihr sagen wird, wie sehr er sie liebgewonnen habe. Er ging
zum Telefon und blickte wieder in einen Spiegel in seinem prächtigen Wohnzimmer,
eingerichtet mit den teuersten Möbeln, wo er sich wieder sah und eine vertraute
Gestalt auch, ganz nah beim ihm stehend. Er wusste es, dass seine schon lang
verstorbene Mutter erschien, und sie warnte ihn vor allem Schlechten wie in
seiner Kindheit. Er hörte sie sagen: „Wotan, pass auf, die Frau hat gar nichts,
keine Immobilien, nur ihr Leben und Vergnügen und sonst nichts. Sie wird dir die
50 Paar seidige Socken nehmen, die Villa, deine Gelder auf den Konten, und du
bist krank, du kränkeltest schon immer als Kind, du musst aufpassen...
Er rief seine Internet-Bekannte nicht an, ging stattdessen auf den Balkon auf
der ersten Etage, wo sich die Äste von seinem japanischen Kirschbaum ganz breit
gemacht hatten, mit dicken und großen, zarten, rosafarbigen Blüten. Sie drängten
zu ihm, als möchten sie ihn umarmen und küssen. Er nahm eine Blüte in die Hand,
drückte sie an sein Gesicht, schloss träumerisch seine Augen, und sah er die
Frau mit Röntgenaugen wie sie ihm über sein Gesicht streichelte und auf die
Wangen und Lippen küsste, voller Erotik und Zärtlichkeit. Und er sah wieder eine
andere Szene in einem Café mit ihr. Sie hielten sich an den Händen, das Glück
war so nah und so lange wie er am Nachbartisch eine scheinbar glückliche Familie
mit drei Kindern, lachend und glücklich, gesehen hatte.
Wie so oft packte ihn eine Depression. Es war wie ein scharfer Messerstich in
sein Herz, dass er keine Frau, keine Kinder, keine Geschwister hatte und er
allein auf der ganzen Welt ist. Die Grünäugige merkte es sofort, was mit ihm los
ist. Sie sagte: „ Das kannst du alles noch haben, auch wenn nicht dein eigenes
Blut.“ Sie hatte zwei erwachsene Töchter und fünf Enkelkinder und war eine
geschiedene Frau. Er könnte sich integrieren. Sie liebte ihn und nicht wegen
seiner Villa und dem seidenen Wahnsinn, eher wegen seinem unschuldig wirkenden
schönen Gesicht.
Die Blüten streichelten ihn sehr warm, trotzdem hörte er noch die Stimme seiner
Mutter: „Pass auf, du bist krank, alle möchten dich nur ausnutzen, dein schwer
erarbeitetes Geld raffen. Er sah noch die einzige Seidenbluse von seine Mutter,
auch so rosa farbig wie die japanischen Kirschblüten. Sie sagte noch zu ihm,
dass Seide sich nur und nur die Reichen leisten könnten. Das war kurz nach dem
2. Weltkrieg. Sein Vater war verschollen und seine Mutter musste mit Waschen
und Bügeln das nötige Geld verdienen. Mutter und Sohn hungerten so lange, bis
die Mutter sich das Leben nahm. Danach kam er in ein Heim für Waisenkinder, wo
es zwar genügend zu essen gab, aber keine Liebe.
Später erreichte er alles, was er für ein Leben brauchte: Studium, Arbeit, Geld,
Villa und Seide, Seide, eine Menge Seide, alles aus Seide, von den Socken bis
zur Krawatte, Wäsche, einfach alles.
Das Verlangen nach Liebe wuchs in ihm überdimensional und plötzlich. Er wollte
die Frau anrufen, er fieberte nach Nähe und Geborgenheit. Sein Gehirn aber
blockte wegen der Gefahr... eine Gefahr gaukelte ihm das Gehirn vor, und sein
Bauch, wo die Gefühle angesiedelt sind, sagte ihm etwas ganz anderes, obwohl er
wirklich krank war, ein Frührentner mit Hoffnung auf ein wunderschönes Leben mit
einem dicken Portmonee, aber das erwünschte Glück kam nicht und ließ auf sich
warten.
Der Kirschbaum drängte sich wieder zu ihm, sein Verlangen schien unerträglich zu
sein. Er küsste plötzlich die Blüten. Sie küssten ihn zurück und sagten: „
Siehst du es wie ich blühe, und ich werde keine Früchte haben? Du bist genauso
wie ich, wir beide sind schön, nur um die Augen zu erfreuen. Wir brauchen keine
Kinder oder Früchte, wir sind narzisstisch veranlagt, wir lieben uns nur selber,
und trotzdem existieren wir.
Während er runter zum Stamm des Kirschbaumes lief, erinnerte er sich an einen
Bericht aus der Google Internet-Suchmaschine über eine angeborene Nekrophilie
mit Geldwahn und Entsagen des Lebens, die vielfach in Deutschland beobachtet
wurde. Er sei also nicht der einzige, und er habe auch eine Bestätigung zum
Leben.
Der Stamm von der japanische Kirschblüte ähnelte einer fraulichen Figur, ganz
deutlich. Verblüfft sah er die Taille, die Brüste, den Bauchnabel und eine
Vertiefung darunter, direkt in der Höhe seiner Männlichkeit. Die Rinde glänzte
unglaublich seidig vor seinen Augen. Er umarmte den Baumstamm, Tränen flossen
über sein Gesicht, und er wusste sofort, dass dieser Baum seine Braut ist, die
er immer schon suchte. Sie forderte nichts von ihm. Sie liebte ihn
bedingungslos, als wäre er ein Embryo im Mutterleib, und die Hochzeitnacht ist
da.
Er ließ die Hosen runter und heftig vereinigte er sich mit seiner neuen Braut.
Es dauerte sehr lange, ziemlich lange. Die letzte Frau hatte er schließlich vor
viele Jahren. Nachdem er seine neue Baumbraut begossen hatte, schrie er wie
eine Löwe und blieb in einer Liebesumarmung mit Baumstamm langsam zur Erde
rutschend, ohne Kräfte, aber überglücklich.
Er hörte noch ganz leise ein Auto kommen und spürte zwei Hände, die ihn vom Baum
wegrissen. Das waren zwei Polizisten, die die Nachbarn gerufen hatten, und er
sah noch die Gesichter der Nachbarn und hörte sie schimpfen: „Der Idiot ist
wieder total irre geworden. Er gehört nach Meinkofen. Diese Bestie, ein
Kirschbaumschänder.“
Er lächelte nur dabei und dachte, es ist nirgendwo in der Bibel geschrieben,
dass der Mensch die Pflanzen nicht befruchten solle. Das ist keine Sodomie...
lach... lach...
Nach kurzer Zeit wird er aus der psychiatrischen Behandlung wieder entlassen. Es
sei kein Verbrechen, wenn jemand sich in einen Baum verliebt. Seine Intelligenz
stand ihm ins Gesicht geschrieben, und er wusste, dass die eigentlichen Idioten
seine Nachbarn seien und nicht er...
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Manipulation II |